Handball Bundesliga Frauen : Das Tabellenbild in der Frauenbundesliga verdichtet sich

_POSTEDBY Jörg Holländer (jhollaender) on Monday, 03. March 2008
Handball Bundesliga Frauen

In der Handball-Bundesliga der Frauen verdichtet sich das Tabellenbild. Nach der Heimniederlage gegen den Thüringer HC und dem gleichzeitigen Sieg von ProVital Blomberg-Lippe steht die TSG Ketsch vor dem Abstieg aus der ersten Liga, drei Vereine können bereits für die Play-off Runde planen und auch der Frankfurter HC steht bei drei Punkten Vorsprung auf den Fünftplatzierten mit mehr als einem Bein in der Runde der letzten Vier. Aber nicht nur in der Bundesliga reifen die Entscheidungen, sondern auch in der europäischen Königsklasse: Nach einer 25:36-Niederlage gegen Titelanwärter Györ scheint der 1. FC Nürnberg den Sprung ins Halbfinale zu verpassen, der allerdings auch einer Sensation gleichgekommen wäre.

Für das Ausrufezeichen sorgte am Wochenende der FHC Frankfurt/Oder: Gegen Bayer Leverkusen gelang dem Frankfurter HC ein bemerkenswerter 34:25 Sieg. Nur drei Tage nach dem Aus im DHB-Pokal gelang der Mannschaft von Trainer Dietmar Schmidt damit eine eindrucksvolle Revanche. Nur in der Anfangsphase konnte Leverkusen das eigene Tempospiel aufziehen, danach knackte Frankfurt/Oder immer wieder die Deckung der Gäste und marschierte über den 15:11 Pausenstand davon. "Wir konnten die ersten fünfzehn Minuten noch mithalten, wurden danach aber von Frankfurt überlaufen. Unsere Fehler vorne haben immer wieder zu Gegenstößen geführt und so kommt dann das Ergebnis zustande", bilanzierte Bayer-Trainerin Renate Wolf. Beim 24:16 hatte es Wolf noch einmal mit einer Auszeit versucht, aber der FHC antwortete mit drei Treffern in Serie und entschied das Spiel verdient zu seinen Gunsten.

Für die TSG Ketsch ist das Kapitel erste Liga unterdessen aller Voraussicht nach erst einmal beendet. Mit 30:34 unterlag das Team von Interimstrainer Rolf König dem Thüringer HC und hat bei noch zwei ausstehenden Spielen vier Punkte Rückstand auf den Drittletzten aus Sulzbach/Leidersbach sowie das weitaus schlechtere Torverhältnis. "Wir sind in der ersten Hälfte nie ins Spiel gekommen und haben teilweise eine Lehrvorführung bekommen", musste König im Spiel gegen die dynamischen Thüringerinnen beobachten, wie sein Team an die Grenzen stieß. Bereits nach einer guten Viertelstunde hatte der THC beim 12:4 für entspannte Mienen auf der Gästebank gesorgt. "Wir haben 45 Minuten unheimlich konzentriert agiert und ein hohes Tempo vorgelegt", freute sich THC-Trainer Dago Leukefeld, der nur am Ende über einige Unkonzentriertheiten seines Teams unzufrieden war. Mehr als eine Resultatsverbesserung gelang den Gastgeberinnen allerdings nicht.

Die HSG Sulzbach/Leidersbach stand in Trier trotz einer starken ersten Halbzeit am Ende mit leeren Händen da und war dennoch trotz der Niederlage nicht betrübt. Die Nachricht vom Sieg des THC in Ketsch heiterte die Mienen bei der HSG schnell wieder auf. Bei der HSG überzeugte vor allem Neuzugang Olena Reznir, aber auch die Ukrainerin konnte nicht verhindern, dass Trier im zweiten Durchgang entscheidend davonzog. Vor allem das Duo Oxana Pal (9) und Svetlana Mozgovaia (10) war von der Gäste-Abwehr nicht zu kontrollieren. Nach vierzig Minuten traf Mozgovaia zum 22:17, das Team des am Saisonende scheidenden Trainers Michal Lukacin war auf die Siegerstraße eingebogen.

Kurioses trug sich beim Spiel des neuen Tabellenführers HC Leipzig gegen den VfL Oldenburg zu. Nach zehn Minuten stellte das Kampfgericht fest, dass Karolina Kudlacz nicht auf dem Spielprotokoll stand, statt ihr war die nicht anwesende Frances Günthel eingetragen. Entsprechend der aktuell gültigen Regel verwarnten die Schiedsrichter den Mannschaftsverantwortlichen des HCL, allerdings setzt der HCL danach vorsichtshalber Kudlacz nicht mehr ein. Oldenburg verzichtete auf einen Einspruch. "Wir legen keinen Protest ein, weil wir das für die beste Lösung halten", erklärte Oldenburgs Teammanager Henning Balthazar, dass der VfL im Sinne des Fair Play auch nicht versuchen wird, die Punkte am Grünen Tisch zu ergattern. Die längere Unterbrechung führte zu einiger Verunsicherung beim Gastgeber, erst im zweiten Durchgang konnte sich Leipzig entscheidend absetzen. "Der Sieg ist auch in dieser Höhe verdient. Wir haben uns insgesamt gut präsentiert und ich bin stolz, was meine Mädels hier dreißig Minuten lang gezeigt haben", war VfL-Trainer Leszek Krowicki nach der 33:39 Niederlage durchaus nicht unzufrieden. "Oldenburg hat heute viel zum Spiel beigetragen", stellte auch HCL-Trainer Morten Arvidsson, den Oldenburgerinnen ein gutes Zeugnis aus.

ProVital Blomberg-Lippe konnte ebenfalls feiern, das Team von Trainer Andre Fuhr sorgte mit einem klaren 35:25 Sieg gegen den als Absteiger feststehenden TV Beyeröhde für den endgültigen Klassenerhalt. Es dauerte einige Minuten, bis sich die Gastgeberinnen auf den Gegner eingestellt hatten, nach dem 10:8 konnte ProVital bis zur Pause eine solide Fünf-Tore-Führung heraus arbeiten. Im zweiten Durchgang konnte Beyeröhde dann aber nur noch zehn Minuten mithalten, Blomberg-Lippe setzte sich nach dem 19:16 durch die zehnfache Gäste-Torschützin Birute Stellbrink entscheidend ab. Besonders Linkshänderin Mirja Mißling war nun nicht mehr zu stoppen. Der Zehn-Tore-Abstand war acht Minuten vor Abpfiff erreicht, am Ende stand der bislang höchste Saisonsieg für Blomberg-Lippe zu Buche.

In der Champions League geht dem deutschen Meister 1. FC Nürnberg hingegen die Puste aus. Mit 25:36 musste sich der FCN den Gästen aus dem ungarischen Györ beugen. "Die Weltklassespielerinnen Anita Görbicz und Katalin Palinger waren der Grund dafür, dass wir in Rückstand gekommen sind", bilanzierte FCN-Trainer Herbert Müller nach dem Spiel. Zu oft waren seine Spielerinnen an der ungarischen Torfrau Palinger gescheitert, Györ konnte so bis auf fünf Tore zur Pause davon ziehen. Im zweiten Durchgang kämpfte Nürnberg weiter, musste aber nach einer Viertelstunde abreißen lassen. "Wir wussten, dass Nürnberg einen schnellen und modernen Handball spielt und dass wir dieses Tempo mitgehen müssen", stellte Györs Trainer Csaba Konkoly nach dem Sieg seiner Mannschaft fest. Nürnberg hat nun nur noch theoretische Chancen auf das Erreichen des Halbfinales. Christina Rohde sah allerings das Positive in der Niederlage: "Aus diesen Spielen kann man nur lernen. Wir müssen weiter arbeiten, um auch dahin zu kommen wo Györ jetzt schon ist." Bereits das Erreichen der Hauptrunde und der Vorstoß unter die besten acht Teams in Europa war für den deutschen Meister ein nicht erwarteter Erfolg.