Handball Bundesliga Frauen : Oldenburg erreicht Halbfinale im Challenge Cup - Frankfurt/Oder holt sich vierten Play-off Platz

_POSTEDBY Jörg Holländer (jhollaender) on Wednesday, 19. March 2008
Handball Bundesliga Frauen

Auf der europäischen Bühne ging für den 1. FC Nürnberg eine durchaus erfolgreiche Saison in der Champions League zu Ende, der VfL Oldenburg hält dagegen nach dem Einzug ins Halbfinale im Challenge Cup noch die Hoffnungen auf einen Titelgewinn aufrecht. Auch in der Bundesliga ist eine weitere Entscheidung gefallen: Die DJK/MJC Trier legte in Buxtehude vor, doch der Frankfurter HC parierte diesen Angriff und sicherte sich mit einem Auswärtssieg gegen Sulzbach/Leidersbach endgültig den vierten Tabellenplatz und damit die Teilnahme an den Play-offs um die Meisterschaft. Im Duell der Tabellenletzten setzte sich Ketsch durch, der HC Leipzig hat unterdessen durch die Niederlage in Leverkusen wohl seinen ersten Platz verloren. Nürnberg holte sich so die Tabellenführung zurück und geht als Spitzenreiter in die Länderspielpause, die zunächst an diesem Wochenende die WM-Qualifikation der Juniorinnen auf dem Programm hat, bevor in der nächsten Woche die deutschen Frauen in Leipzig um das Olympia-Ticket kämpfen.

Bei seiner Abschiedsvorstellung in der Champions League musste der 1. FC Nürnberg eine Niederlage einstecken. Gegen den HC Lada Togliatti gab es in Russland eine 27:28 (12:15) Niederlage, dabei hatte der FCN lange Zeit geführt und musste sich nur knapp am Ende den Gastgeberinnen geschlagen geben, die so das Halbfinale erreichten. "Die Mannschaft kann mit hocherhobenem Kopf nach Hause fahren, sie bot eine hervorragende Leistung", war Trainer Herbert Müller gleichwohl zufrieden. Mit 18:22 hatte seine Mannschaft geführt, ehe das Team in der Schlussphase in Rückstand geriet. Im allerletzten Angriff hatte der FC gar noch die Chance zum Ausgleich, Ania Rösler scheiterte allerdings an Torfrau Maria Sidorova. "Die Mannschaft hat Herz und Charakter gezeigt, wir haben gekämpft wie die Löwen", bilanzierte Herbert Müller.

Trotz der Reisestrapazen mussten die Nürnbergerinnen bereits am Montag wieder auf das Parkett. Das für Mittwoch vorgesehene Spiel gegen den Buxtehuder SV war aufgrund höherer Gewalt neu angesetzt worden. Buxtehude war am Mittwoch auf dem Weg nach Nürnberg in eine mehrstündige Vollsperrung auf der A7 aufgrund eines verunglückten LKW geraten. Da eine rechtzeitige Anreise und ein zumutbarer Spielbeginn aufgrund eines, laut ADAC-Angaben, weiterhin 16 Kilometer langen, Staus nicht absehbar waren, entschied die Spielleitende Stelle der HBVF auf Neuansetzung und fand mit den Vereinen und in Abstimmung mit Bundestrainer Armin Emrich trotz des engen Terminplans noch eine neue Austragungszeit. Nürnberg zeigte sich dabei von den Reisestrapazen bestens erholt, lediglich beim 1:2 lag Buxtehude einmal in Front. "Die Mannschaft hat großartig gespielt. Wir wollen als Tabellen-Erster in die Play-offs gehen. Dazu haben wir heute einen weiteren Schritt getan", freute sich Trainer Herbert Müller über den ungefährdeten 34:27-Erfolg.

Internationalen Erfolg hatte der VfL Oldenburg, der mit einem 33:26 (18:14) Auswärtssieg gegen McDonalds Wiener Neustadt das Halbfinale des Challenge Cup erreichte, nach dem der Bundesligist in der Vorwoche bereits das Heimspiel vor gut 2.500 Zuschauern mit dem gleichen Ergebnis für sich entschieden hatte. "Wir haben die Akzente gesetzt", war Trainer Leszek Krowicki mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden. Der VfL, der alle Spiele der diesjährigen Europacup-Saison gewonnnen hat, dominierte die Anfangsphase und konnte sich auch steigern, als die Österreicherinnen zum zwischenzeitlichen 12:11 Anschluss kamen. Im zweiten Durchgang wirbelte der zweite Anzug der Oldenburgerinnen, ohne dass dabei die Qualität des VfL-Spiels litt. "Die Abwehr war hervorragend, der Angriff konsequent. Ich bin sehr zufrieden. Von diesem Spiel werden wir lange zehren", bilanzierte Krowicki. "Jetzt wollen wir im Halbfinale wieder eine volle Halle", freute sich Wiebke Kethorn bereits auf das Halbfinale. "Ich hätte lieber gegen Merignac oder Bratislava gespielt", sagte VfL-Trainer Leszek Krowicki kurz nach der Auslosung, die am Dienstagvormittag in Wien stattfand und den Oldenburgerinnen mit den Rumäninnen von Braila vielleicht den schwersten Gegner bescherte.

Der HC Leipzig erlitt unterdessen einen Rückschlag im Kampf um den ersten Tabellenplatz und die optimale Ausgangsposition für die folgenden Play-offs. Nach der 29:31 (12:16) Niederlage in Leverkusen hat das Team von Trainer Morten Arvidsson bereits neun Minuspunkte. Bayer Leverkusen hatte eine schwere Woche nach den Suspendierungen von Michaela Seiffert und Sabrina Neukamp, von einer Schwächung war allerdings wenig zu sehen im Duell gegen die Messestädterinnen. Anna Loerper (15 Tore) avancierte zur zentralen Figur im Angriff der Gastgeberinnen, die zwischenzeitlich auf 15:10 enteilten. Der HCL kämpfte sich in der zweiten Halbzeit auf 20:20 heran, aber die Gastgeberinnen zeigten sich unbeeindruckt, legten erneut vor und verteidigten diesen Vorsprung bis zur Schlusssirene. "Das war eine Partie für die Moral und das Selbstvertrauen. Wir haben eine klasse Mannschaftsleistung gezeigt und können nun selbstbewusst in die schweren Spiele im Pokal und der Meisterschaftsendrunde gehen", war Leverkusens Trainerin Renate Wolf zufrieden, die mit ihrer Mannschaft, wie auch Nürnberg und Leipzig das Ticket für die Play-offs bereits vor diesem Spieltag sicher hatte.

Offen im Kampf um die Play-offs war unterdessen noch der vierte Teilnehmer, am Samstag wahrte Trier mit einem Auswärtserfolg in Buxtehude seine theoretische Chance auf den erneuten Einzug in das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Trier zeigte im hohen Norden dabei eine starke Aufholjagd: Buxtehude hatte sich in der Anfangsphase bis auf 7:3 abgesetzt, Trier kam aber zurück in die Partie und drehte diese in der letzten Viertelstunde. "Wir haben zuerst geschlafen und die starke Buxtehuder Mannschaft spielte gut. Nachher fanden wir besser zu unserem Spiel", stellte Triers Coach Michal Lukacin fest. Nach einem Ausgleichstreffer von Willemaijn Karsten für Buxtehude war es der letzte Angriff, der Trier durch Simona Roubinkova den 27:26-Siegtreffer brachte. "Meine Mannschaft hat heute eine tolle Abwehrleistung über 60 Minuten gezeigt. Mit dieser Abwehr kann man in der Bundesliga bestehen. Allerdings hätte ich mit heute eine stabilere Torwartleistung beim BSV gewünscht", sagte der scheidende BSV-Trainer Wolfgang Pötzsch nach dem Spiel. Mit dem Hessen Dirk Leun wurde am Rande des Spiels auch der neue Trainer des BSV vorgestellt, Leun unterschrieb einen Zwei-Jahresvertrag.

Trier musste aber auf Schützenhilfe hoffen, denn aufgrund seines Vorsprungs in der Tabelle hatte der FHC Frankfurt/Oder es selbst in der Hand, sich endgültig den vierten Tabellenplatz zu sichern. Und bereits mit dem ersten Matchball wehrte der FHC den Angriff der Trierinnen ab. Der FHC war bei der HSG Sulzbach/Leidersbach zu Gast, die aufgrund eines uneinholbaren Vorsprungs in der Tordifferenz bereits vor dem Spiel den Klassenverbleib sicher hatte. Dennoch forderte Sulzbach den Play-off-Anwärter von der ersten Minute an, nach einem ausgeglichenen ersten Durchgang ging es mit einem 14:14 in die Kabinen. Doch nach dem 16:15 durch Olena Reznir übernahm dann der Gast das Kommando und setzte sich über 18:22 auf 23:29 ab. Am Ende stand so ein verdienter 33:26-Auswärtserfolg für den FHC zu Buche, der die Gäste über die Halbfinalteilnahme jubeln ließ.

Im Duell der beiden Tabellenletzten setzte sich unterdessen die TSG Ketsch mit 40:33 (17:16) beim Tabellenletzten TV Beyeröhde durch. Während Beyeröhde als Absteiger definitiv feststeht, könnte Ketsch noch eine allerdings sehr theoretische Chance zum Klassenerhalt haben - dazu müsste die TSG allerdings die Tordifferenz von 86 Toren auf Sulzbach/Leidersbach aufholen, bei nur noch einem ausstehenden Spieltag ein hoffnungsloses Unterfangen. Doch beide Teams waren um einen versöhnlichen Abschied aus der Beletage des deutschen Frauenhandballs bemüht und so entwickelte sich eine abwechslungs- und torreiche Partie. In der ersten Halbzeit wechselten die Führungen häufig, erst im zweiten Abschnitt konnte Ketsch aufgrund der nun besseren Abwehr langsam einen Vorsprung etablieren. Drei Tore in Folge zum 24:30 brachten dann die Vorentscheidung zu Gunsten der Gäste, die in Youngster Marlene Zapf (7) ihre beste Feldtorschützin hatten.