Die Finalisten um die deutsche Meisterschaft stehen fest: Pokalsieger HC Leipzig und Titelverteidiger 1. FC Nürnberg stehen sich in den Play-off Finals um die Meisterschaft gegenüber, Leverkusen und Frankfurt/Oder hatten auch in den Halbfinalrückspielen das Nachsehen. Auch im Kampf um den fünften Platz ist eine Vorentscheidung gefallen, Erfurt und Buxtehude spielen in Gruppe B den Sieger und Teilnehmer um die Finals um Platz fünf aus, Sulzbach/Leidersbach ist ausgeschieden. Der VfL Oldenburg hat unterdessen mit dem Einzug in das Finale des Challenge Cups einen großen Erfolg gefeiert. Trotz der Heimniederniederlage im Hinspiel setzte sich Oldenburg mit einem 29:25 in Rumänien gegen den HC Braila durch. In ein europäische Finale drang auch die deutsche Nationaltorhüterin Sabine Englert vor, die mit Hypo Niederösterreich in den Endspielen der Champions League steht.
Mit einem Vier-Tore-Vorsprung startete der HC Leipzig in der heimischen Arena in das Unternehmen "Finaleinzug". Vor fast 3.000 Zuschauern hatten die Leipzigerinnen dabei zunächst Probleme mit den Gästen aus Leverkusen, aber die Revanche für die Niederlage im Halbfinale des Vorjahrs gelang. Mit 42:29 (21:17) fiel der Sieg für die Hausherrinnen dabei am Ende überraschend deutlich aus, im zweiten Abschnitt dominierte das Team des dänischen Trainers Morten Arvidsson die Begegnung. "Zu Beginn haben wir noch gut mitgehalten, aber konnten unsere Chancen vor dem Tor nicht konsequent nutzen. In der zweiten Halbzeit waren die ersten zehn Minuten noch okay, aber dann sind auseinander gebrochen", gestand Bayer-Trainerin Renate Wolf nach dem Abpfiff ein.
Bei den Leipzigerinnen waren vor allem die zehnfache Torschützin Idalina Borges Mesquita und die scheidende Spielführerin Else Marthe Soerlie Lybekk die Sieggaranten, die Norwegerin erzielte in ihrem vorletzten Heimspiel für den HCL neun Tore. Nach einem schnellen 11:5 kämpften sich die Leverkusenerinnen aber wieder auf 13:11 heran und lagen auch beim 23:20 noch in Schlagdistanz. Der Rückstand in der Addition lag allerdings bei sieben Toren. Beim 27:20 war die Begegnung entschieden, Leipzig nutzte die Euphorie und setzte sich sogar bis auf 35:23 ab und siegte am Ende mit 42:29. "Das Ergebnis ist am Ende ein bisschen zu hoch ausgefallen", wollte HCL-Manager Kay-Sven Hähner das Resultat nicht überbewertet wissen.
Im Finale wird der 1. FC Nürnberg Gegner des HC Leipzig. Bereits im Hinspiel hatte der Titelverteidiger mit einem 37:29-Auswärtserfolg in Frankfurt/Oder die Grundlage für den erneuten Finaleinzug gelegt. Die Acht-Tore-Führung aus dem ersten Vergleich kam im Rückspiel nicht mehr in Gefahr. Wie im Hinspiel nahm der FHC allerdings den Kampf gegen den Favoriten an und konnte die Begegnung lange Zeit ausgeglichen gestalten. In der temporeichen Anfangsphase gelang den Gästen in der sechsten Minute der Ausgleich zum 5:5, die zehnfache Torschützin Anne Jochin traf gar zur zwischenzeitlichen 7:9-Führung des Außenseiters. Und auch zur Halbzeit schien ein Achtungserfolg der Frankfurterinnen beim Stand von 17:16 weiterhin möglich.
Der Einzug ins Finale war aufgrund des deutlichen Rückstands aus dem Hinspiel aber nicht mehr in Reichweite. Als die Kräfte bei den Frankfurterinnen langsam nachließen und sich zugleich die Nürnberger Deckung steigerte, baute der amtierende Meister seine Führung aus. Dank einer konsequenteren Chancenverwertung hieß es nach einem Treffer von Kerstin Wohlbold zehn Minuten vor Spielende 27:19 und obwohl FCN-Coach Herbert Müller nun einigen Spielerinnen aus der zweiten Reihe die Chance gab, sich noch in die Torschützenliste einzutragen, schmolz die Distanz nicht mehr. Am Ende stand ein 32:25 für Nürnberg zu Buche, das über die größeren personellen Alternativen vrfügte.
"Jetzt geht es darum, Nürnberg zu schlagen", sagte Kay-Sven Hähner bereits im Vorgriff auf die Finals. Der HCL hat am 3. Mai um 17.00 Uhr zunächst Heimrecht, das Rückspiel in Nürnberg findet dann am 11. Mai um 16:00 statt - die Zeiten können sich allerdings eventuell noch verschieben. "Das sind die beiden besten Mannschaften aus der Bundesliga. Da wird die Tagesform über den Sieg entscheiden", freut sich Leipzigs Trainer Morten Arvidsson bereits auf die Neuauflage des Pokalfinals.
Neben Nürnberg und Leipzig feierte unterdessen der VfL Oldenburg an diesem Wochenende einen großen Erfolg: 24 Jahre nach der Niederlage im Finale des EHF-Pokals erreichten die Oldenburgerinnen wieder ein Finale in einem internationalen Wettbewerb. Dabei waren die Chancen nach dem 30:31 im Hinspiel vor eigenem Publikum deutlich gesunken, doch im Rückspiel in Rumänien trumpfte der Bundesligist groß auf. "Die Dunarea-Fans haben uns eingeschüchtert, aber die Atmosphäre hat uns auch gepushed", sagte VfL-Linksaußen Kim Birke nach dem Spiel. Die rumänische Rückraumspielerin Anca Lipan musste früh mit der dritten Zeitstrafe vom Parkett, trotzdem konnte Dunarea bis zur Pause eine Führung behaupten. Nach 40 Minuten lag der VfL noch mit 16:20 in Rückstand, dann aber steigerte sich VfL-Torfrau Tatiana Surkova. "Nach zehn, fünfzehn Minuten in der zweiten Halbzeit, wusste ich, dass die Mannschaft meine Hilfe braucht, um hier zu bestehen. Ich habe mich dann neu konzentriert, zum Glück hat es geklappt", sagte die Russin, die zum Rückhalt bei der Aufholjagd wurde.
Nach dem Treffer von Wiebke Kethorn zum 25:21 war fünf Minuten vor Spielende die Entscheidung zu Gunsten des Bundesligisten gefallen, der am Ende mit 29:25 gewann und das Erreichen des ersten europäischen Finals seit 24 Jahren feierte. "In der Anfangsphase haben wir es Dunarea nicht erlaubt, davonzuziehen. Wie wir in der zweiten Hälfte den Vorsprung verwaltet haben, ist normalerweise von einer so jungen Mannschaft nicht zu erwarten. Es überwältigt mich, mit welch einer Konzentration meine Spielerinnen in dieser Phase agiert haben", so VfL-Coach Krowicki. "Tempo, Kondition und auch die stärkere Bank waren ausschlaggebend für den Sieg, außerdem hatten wir den stärkeren Willen", bilanzierte Alexandra Temp nach dem Thriller.
Um einen Platz im Challenge Cup des nächsten Jahres spielt der VfL Oldenburg derzeit auch in der Bundesliga in der Platzierungsrunde. Während in der Oldenburger Gruppe aufgrund der internationalen Verpflichtungen des VfL pausiert wurde, kommt es in der anderen Gruppe in der nächsten Woche zu einem echten Finale. Der Buxtehuder SV setzte sich am Wochenende, auch dank der starken Leistungen von Susanne Henze und Anja Neumann, mit 34:26 (17:12) durch. "Die Zuschauer sahen ein durchschnittliches Spiel zweier Mannschaften, die sich in- und auswendig kennen", stellte Bundestrainer Armin Emrich nach Abpfiff fest. Auch BSV-Coach Wolfgang Pötzsch war nur bedingt zufrieden: "Gratulation an meine Mannschaft für den verdienten Sieg. Dennoch war unsere Chancenverwertung katastrophal", bilanzierte Pötzsch. Gäste-Trainer Lazar Cojocar sagte nach seinem letzten Spiel als Trainer der HSG: "Wir haben das Spiel vor dieser schönen Kulisse bereits in der ersten Halbzeit verloren, Neumann und Henze haben überragend gespielt." Buxtehude trifft nun in einem Finale um den Einzug in das Spiel um Platz 5 auf den Thüringer HC, der sein Spiel gegen Sulzbach ebenfalls gewonnen hatte.