Thüringer HC : Verdient ins Finale um Platz 5

_POSTEDBY Jörg Holländer (jhollaender) on Saturday, 03. May 2008
Thüringer HC

In einem packenden und gutklassigen PlayOff-Spiel besiegte der Thüringer HC den Buxtehuder SV mit einer starken Abwehrleistung 26:23 (13:9). Martina Knytlova ragte aus einer kämpferisch starken THC-Mannschaft heraus und traf zwölf Mal. Beim BSV war Willemijn Karsten mit fünf Treffern erfolgreichste Werferin.

Bis zur 15. Minute war beiden Mannschaften die Nervosität anzumerken. Debbie Klijn hatte mit ihren Paraden gleich zwei Hundertprozenter entschärft und die Martina Knytlová setzte beim ersten Strafwurf den Ball an die Lattenunterkante. Kein Team ließ das andere mehr als einen Treffer vorlegen. Das Stuttgarter Schiedsrichterpaar zeigte sich auch bei Kleinigkeiten sehr genau, was den Trainern auf beiden Seiten nicht gefiel.

Eine solche Entscheidung sollte so etwas wie der Knackpunkt des Spiels werden. Einer der beiden Schiedsrichter hatte aus der Sprecherkabine beleidigende Äußerungen gehört und konsequent das Reglement angewendet. So kam es zu einer absoluten Premiere: Rote Karte für Hallensprecher Holger Erfurth. Die Aufregung legte sich schnell - Marco Welsch wechselte vom Livetickerplatz ans Hallenmikro und "übernahm" ohne Unterbrechung die Aufgabe und das Hallenpublikum. Genau in dieser Phase müssen sich die Gäste wohl mehr mit der Situation beschäftigt haben, als die THC-Damen. Diesen gelang es jetzt mit vier Toren in Führung zu gehen, die Distanz, die bis zur Halbzeitpause mit dem 13:9 nicht aufgegeben wurde.

Bis zur 42. Minute konnte der Gastgeber von diesem Polster zehren, dann waren die Gäste wieder heran. (14:14) Kathrin Blacha engte die meiste Zeit die Kreise von BSV-Spielmacherin Diane Lamein ein - diese konnte selbst nur vier Treffer erzielen, dafür bewiesen Isabell Nagel, Willemijn Karsten und Susanne Henze ihre Torgefährlichkeit und waren im Abschluss aus Nahdistanz treffsicher. Wolfgang Pötzsch, der zum letzten Mal auf der BSV-Bank Regie führte, bemängelte letztlich vor allem die Fehlwürfe aus der zweiten Reihe, die mehrfach neben dem THC-Kasten landeten. Über mangelden Abwehreinsatz seiner Damen konnte er sich allerdings nicht beklagen. Die arbeiteten in der Abwehr mit hoher Laufbereitschaft und gingen, was die Körperkontakte beim Halten und Klammern an und teilweise über die Grenzen des Regelwerks. Aus dieser Sicht konnten die Gäste mit nur vier Zeitstrafen mehr als zufrieden sein. Dafür hatten sie allerdings auch anderweitiges Pech. Willemijn Karsten war fassungslos als die Schiedsrichter sie ihren Strafwurf nicht ausführen ließen.
Zeitüberschreitung - sie hatte im Hexenkessel Salza-Halle einfach den Pfiff überhört. Wie viele Zuschauer übrigens auch.

Die Schlussviertelstunde war nichts für schwache Nerven und man konnte befürchten, dass in diesem Spiel vielleicht eine einzige vermeintliche Fehlentscheidung der Unparteiischen den Ausschlag geben würde. 14:14, 15:15, 16:16 .. und zehn Minuten vor Schluss dann 17:17. Vielleicht die zweite Schlüsselsituation in diesem Spiel folgte auf ein normales Abwehrfoul von Diane Lamein - sie erhielt ihre dritte Zeitstrafe und konnte für den Rest der Partie ihre Kampfkraft und Erfahrung nicht mehr einbringen.

Jetzt zeigte das Hallenpublikum noch einmal seine Qualitäten. Jede Aktion der eigenen Lieblinge wurde lautstark unterstützt, Martina Knytlovás Strafwürfe - neun Mal trat sie an, nur einmal war die Torlatte im Weg) wurden fast mit ins Netz gebrüllt und getrommelt. Genau jetzt brachte Dago Leukefeld seinen Joker ins Spiel. Lucie Fabíková, mit getapter Wurfhand, brachte mit ihren Finten die so starke Gästeabwehr durcheinander. Die Tschechin spielte hocheffektiv - erzielte drei Treffer und holte einen Strafwurf heraus. Dann durfte sie wieder auf die Bank. Ihr persönliches Geschenk zum Trainergeburtstag hatte sie damit überreicht.

Der THC konnte zwischenzeitlich auf zwei Tore Differenz erhöhen, aber die Gäste nutzten jeden Abwehraussetzer konsequent. So gelang Isabell Nagel in der 56. Minute der Anschlusstreffer zum 21:20 und alles war gespannt, wer jetzt die besseren Nerven zeigen würde. Wie Bundestrainer Armin Emrich, der bedauerte, das das Spiel zu schnell zu Ende war, fühlte wohl kaum noch jemand. Es war wieder einmal ein Schlusskrimi - allerdings mit leichten Vorteilen für die Gastgeber. Viele schöne Aktionen waren in diesem kampfbetonten Spiel zu sehen - Kathrin Blachas blitzschnelle Aktion am Kreis, wo sie gegen die Wurfhand, zwei Abwehrspielerinnen nur noch die Notbremse ziehen konnten, Kristels Handgelenks-Fernwurf der Debbie Klijn keine Chance ließ, Lucie Fabíková's Seitschlagwurf oder die Doppelparade von Schanzi gegen zwei Hundertprozenter. Eine Aktion prägte sich besonders ein. Beim Stand von 23:21 schnürte die mehrfach kurzgedeckte Marielle Bohm den Sack zu. Mit maximaler Körperspannung tankte sie sich durch die Gästeabwehr und erzielte den erlösenden Treffer zum 24:21 (58.Min). Jetzt glaubte wohl niemand mehr, dass die Partie noch kippen könnte. Den Schlusspunkt setzte Kristin Kartheuser mit ihrem Treffer zum 26:23-Endstand und dann begann auch schon minutenlanger Jubel auf der Fäche und auf den Rängen. Geschafft! Kaum zu glauben, was das Team mit dieser aktuellen Verletzungsmisere geleistet hat. Dafür gab es einen Riesen-Beifall vom Hallenpublikum, das dann vor der Pressekonferenz erst sein Geburtstagsständchen zum 45. von Dago Leukefeld vielstimmig darbot.

Trainerstimmen:
Dago Leukefeld (THC):
Danke an die Mannschaft für das, was sie in den letzten Wochen geleistet hat. Viele Spielerinnen gehen zurzeit über die Leistungsgrenzen. Kompliment an Wolfgang Pötzsch für die kämpferische Leistung, die seine Mannschaft hier geboten hat. Vielen Dank für die Unterstützung beim Publikum.

Wolfgang Pötzsch (BSV): Der THC- Sieg geht in Ordnung. Nach dem Rückstand sind wir in der 2. Halbzeit zurückgekommen, haben uns dann zu viele Wurffehler geleistet. Es war ein spannendes Spiel - leider mit verkehrtem Ausgang aus unserer Sicht.

Armin Emrich (Bundetrainer der Frauen): Das war eine Riesenatmosphäre in der Salza-Halle. Das Spiel, welches mit dem Thüringer HC einen glücklichen, aber verdienten Sieger war sehr spannend und vor allem emotional. Es war schade, dass nach 60 Minuten Schluss war. Der THC überstand die schwierige Phase in der zweiten Halbzeit, als sich Buxtehude wieder herangekämpft hatte. Doch in der entscheidenden Phase machte der THC die Big Points und konnte sich auf Schanzi verlassen. Dago hat damit sicherlich das schönste Geburtstagsgeschenk in einem wahren Endspiel bekommen.

Thüringer HC:
Michaela Schanze, Isabell Roch;
Julia Jurack, Nadine Härdter (1), Kristin Kartheuser (4),Martina Knytlova (12/8), Marielle Bohm (3/1), Kathrin Blacha (3), Matilda Atanasoska (n.e.), Katerina Ruzickova (n.e.), Beatrix Mosert (n.e.), Lucie Fabíková (3).

Buxtehuder SV:
Debbie Klijn, Pia von Holten;
Christina Vogt, Janne Wode (1), Anja Neumann (3), Willemijn Karsten (5/2), Julia Harms (2), Katharina Schulz (1), Susanne Henze (3), Diane Lamein (4), Jana Stapelfeldt, Isabell Nagel (4).

Siebenmeter: 11/9 - 3/2.
Strafminuten: 6 - 8.
Rote Karte: Diane Lamein (Buxtehuder SV - 51. - dritte Zeitstrafe).
Schiedsrichter: Andreas Pritschow/ Marcus Pritschow (Stuttgart).
Zuschauer: 900.