Für einige Frauenbundesligisten im Handball ist die Saison bereits beendet, für andere geht es jetzt in die entscheidende Phase. In den Finals um die Deutsche Meisterschaft stehen sich der 1. FC Nürnberg im Hinspiel beim HC Leipzig vor 3.385 Zuschauer mit 34:32 durch und verschaffte sich eine glänzende Ausgangsposition für das Rückspiel am Pfingstsonntag. Am Pfingstwochenende finden auch die Rückspiele der Halbfinals der Austiegs-Play-offs der 2. Bundesligen der Frauen statt, in denen die vier Finalisten für die Spiele um die beiden Tickets in die 1. Bundesliga gesucht werden. Zudem stehen in der Bundesliga noch die Spiele um den dritten Platz und damit verbunden den Einzug in den EHF-Pokal und den fünften Platz, der die Teilnahme am Challenge Cup ermöglicht, aus. Den Einzug in das Spiel um Platz fünf schaffte am Wochenende Blomberg mit einem Sieg in Oldenburg.
Im Hinspiel der deutschen Meisterschaft musste der HC Leipzig vor 3.385 Zuschauern in der Arena Leipzig eine schmerzhafte 32:34 (14:18) Heimniederlage einstecken. Nach einer ausgeglichenen und beiderseits nervös geführten Anfangsphase verspielte der HCL in knapp sechs Minuten eine 11:10-Führung. Nürnberg war mit Jana Krause im Tor in diesen Minuten kaum noch zu bezwingen, ging in Führung und baute diese aus - Sara Walzik erhöhte auf 12:18. "Nach dem 12:18 ist Leipzig durch Fehlwürfe und verworfene Siebenmeter von uns zurückgekommen. Wir hatten aber am Ende den längeren Atem", sagte Herbert Müller, dessen Mannschaft beim 18:18 wieder bei Null anfangen musste. "Wir haben immer an uns geglaubt, auch als der Gegner durch eigene Fehler wieder herangekommen ist", beobachtete der Coach, wie seine Spielerinnen nach dem 30:31 durch Kerstin Wohlbold wieder die Initiative übernahmen und sie diesmal auch bis zum Ende behielten.
"Es ist erst Halbzeit und auch wir können auswärts gewinnen. Noch ist es nicht vorbei", zeigte sich HCL-Manager Kay-Sven Hähner kämpferisch. Am Ende sind es zwei Tore Minus, die der amtierende Pokalsieger ins Rückspiel nach Nürnberg mitnimmt. Mehrfach standen die Leipzigerinnen am Ende vor dem Ausgleich, aber Idalina Borges Mesquita und Karolina Kudlacz scheiterten am Pfosten oder an Jana Krause. "In der zweiten Halbzeit war viel mehr Tempo und Aggressivität im Spiel. Nürnberg war am Ende den Tick besser", stellte Morten Arvidsson nach Abpfiff fest. "Das war ein sensationelles Spiel auf beiden Seiten mit einem verdienten Sieger", stimmte auch Herbert Müller zu. Ania Rösler war vor allem froh, ein gutes Ergebnis mit dem FCN erzielt zu haben: "Es war heute ein hartes Spiel. In der ersten Halbzeit waren wir besser, in der zweiten die Leipzigerinnen. Aber unter dem Strich haben wir verdient gewonnen", so die sechsfache Torschützin.
Im Kampf um den fünften Platz sind in den beiden Play-off Gruppen die Entscheidungen gefallen. Provital Blomberg-Lippe setzte sich mit 29:27 (16:15) in Oldenburg durch und beendet somit die Gruppe A als Sieger vor der DJK/MJC Trier und dem VfL Oldenburg. "Wir haben unsere Chancen genutzt, waren in der Abwehr aggressiver und hatten auch den Kreis weitestgehend im Griff", bilanzierte die neunfache Torschützin Nadja Nadgornaja, die nun mit ihrer Mannschaft im Spiel um den fünften Platz und damit die Qualifikation für den Challenge Cup auf den Thüringer HC trifft. Der THC siegte gegen den Buxtehuder SV 26:23 (13:9) und wurde so erster vor Buxtehude und der HSG Sulzbach/Leidersbach. "Das Spiel, welches mit dem Thüringer HC einen glücklichen, aber verdienten Sieger war sehr spannend und vor allem emotional", analysierte Bundestrainer Armin Emrich: "Der THC überstand die schwierige Phase in der zweiten Halbzeit, als sich Buxtehude wieder herangekämpft hatte. Doch in der entscheidenden Phase machte der THC die Big Points und konnte sich auf Michaela Schanze verlassen", so Emrich weiter. Neben Torfrau Schanze ragte auch Martina Knytlova mit 12/8 Toren heraus.
Im Kampf um den Aufstieg standen am Wochenende die ersten Play-off Spiele in der zweiten Liga an. In zwei Gruppen werden die zwei Aufstiegsplätze in die 1. Bundesliga ausgespielt. An diesem Wochenende standen zunächst die Hinspiele der Halbfinals der beiden Gruppen auf dem Programm, die Sieger stehen sich dann an den Wochenenden um den 17. und den 24. Mai in den Gruppenfinals gegenüber, deren jeweiliger Sieger nach Hin- und Rückspiel den Aufstieg in die 1. Bundesliga bejubeln kann.
Südmeister Frisch Auf Göppingen setzte sich im Halbfinale im hohen Norden beim TSV Nord Harrislee mit 36:27 (15:13) durch. "Die Mädels haben sich heute ein Sonderlob verdient, denn der Reisestress war schon enorm", so FAG-Trainer Emir Hadzimuhamedovic. Im Hinspiel gab das hohe Tempo am Ende den Ausschlag, dieses konnten die Gastgeberinnen in der Schlußphase nicht mehr mitgehen. Der Finaleinzug scheint im Rückspiel nur noch Formsache sein, dort würde den die Frauen von Frisch Auf auf den SVG Celle oder den SC Markranstädt treffen, das Hinspiel vor eigenem Publikum gewann der SCM knapp. Für Celle war gegen die personell arg dezimierten Gastgeberinnen durchaus mehr drin, aber immer wieder scheiterte Celle im Abschluss. "Es gibt noch Steigerungsmöglichkeiten, aber in Celle ist es schwer. Wir haben nicht mehr die Möglichkeiten zu wechseln. Nächste Woche wird die Abwehr und die Torhüterinnen alles entscheiden", sagte SCM-Trainer Rüdiger Bones. Auch sein Gegenüber Martin Kahle war nicht ganz zufrieden: "Wir sind nicht in unser gewohntes Gegenstoßspiel gekommen. Unterm Strich muss man sagen, wenn man drei Minuten vor Schluss führt und dann noch verliert, kann man nicht zufrieden sein."
Der Meister der Nordgruppe musste sich unterdessen in Nellingen geschlagen geben. Mit einem 25:28 (13:14) im Gepäck trat Borussia Dortmund die Heimreise an. In einem lange Zeit absolut ausgeglichenen Spiel setzte sich Nellingen in der Schlussviertelstunde beim 23:20 durch die zehnfache Torschützin Silvia Solic vorentscheidend ab´ - Dortmund konnte nicht mehr kontern. Eine weite Anreise hatte unterdessen der SV Allensbach, der bei Union Halle-Neustadt antrat. Im ersten Durchgang bekamen die Gäste kein Bein auf den Boden, zwischenzeitlich betrug der Vorsprung des Dritten der Nordstaffel sieben Tore. Nach der Pause kam Allensbach allerdings auf und nutzte die nun zahlreicheren Fehler der Gastgeberinnen: Beim 24:23 durch Laura Denk zwölf Sekunden vor Abpfiff war der SVA auf ein Tor heran, ehe Frances Günthel unmittelbar vor dem Schlusspfiff zum letzten Tor für Halle traf. "Letztlich bin ich zufrieden mit dem Ergebnis, aber nicht mit dem Spiel. Zwischenzeitlich sah es ganz böse aus", war SVA-Manager Manfred Lüttin unzufrieden. Ähnlich bilanzierte Keeperin Andrea May: "Schlechtes Spiel, gut gekämpft, alles offen."
Am kommenden Wochenende steht nicht nur das entscheidende Rückspiel um die deutsche Meisterschaft an, auch um Platz drei wird gespielt. Am Samstag treffen der FHC Frankfurt/Oder und Bayer Leverkusen aufeinander, das Rückspiel steigt bereits am darauf folgenden Dienstag und wird dann für die Truppe von Renate Wolf das letzte Spiel in der Ulrich-Haberland-Halle sein, die danach einer Erweiterung des Stadions Platz machen muss. Nach dem Wochenende und den Rückspielen der Zweitligaaufstiegsrelegation ist auch klar, wer in den Endspielen der Aufstiegsqualifikation um den Aufstieg in die erste Liga kämpft. Zudem stehen die Spiele um den fünften Platz auf dem Programm.