Die Bundesliga der Frauen geht am (morgigen) Freitag in die nächste Saison und selten schien die Liga so ausgeglichen. Die letztjährigen Finalisten HC Leipzig und 1. FC Nürnberg müssen einen Trainerwechsel verkraften und Abgänge wichtiger Spielerinnen kompensieren, Leverkusen muss in der neuen Spielzeit ohne die bisherige Unterstützung des Bayer-Konzerns auskommen. Mit dem letztjährigen Play-off-Teilnehmer FHC Frankfurt/Oder aber auch DJK/MJC Trier, Thüringer HC, Buxtehuder SV und VfL Oldenburg stehen Vereine bereit, die sich durchaus Chancen auf die Play-offs ausrechnen, in der Vorbereitung ließen zudem auch ProVital Blomberg-Lippe und die nun als Rhein-Main Bienen an den Start gehende HSG Sulzbach-Leidersbach aufhorchen. Mit Frisch Auf Göppingen und Borussia Dortmund wollen zudem zwei bundesligaerfahrene Aufsteiger zudem keineswegs den Weg zurück in die 2. Bundesliga antreten. Die vermutlich ausgeglichenste Besetzung der Liga seit Bestehen dürfte so eine spannende Spielzeit garantieren.
"Wo wir genau stehen, werden wir am Sonntag gegen den THC sehen", erklärt der neue Leipziger Trainer Heine Jensen, dass alle Ergebnisse aus der Vorbereitung am ersten Spieltag der neuen Saison hinfällig sein werden. Mit der Vorbereitung zufrieden war der Großteil der Bundesligisten, auch dank zahlreicher Achtungserfolge gegen die internationale Konkurrenz. Aufhorchen ließ dabei unter anderem der 1. FC Nürnberg, der in der Sommerpause den Abgang von Meistertrainer Herbert Müller und zahlreicher Spielerinnen verkraften musste: Beim Ladies-Cup in Schmelz gelang, auch dank der starken Torfrauen, gegen internationale Konkurrenz unter dem neuen Trainer Csaba Szücs dennoch der Turniersieg. Am (morgigen) Freitag will der amtierende Meister nachlegen, bei Aufsteiger Frisch Auf Göppingen gastieren die Nürnbergerinnen zum Saisonauftaktspiel. Die ersten Punkte wird der amtierende Meister aber auch bei einem Sieg nicht erringen können, lediglich Minuspunkte abtragen. Aufgrund von Verstößen gegen gegen die Fristen im Lizenzverfahren wurden dem Verein für die kommende Spielzeit vier Punkte abgezogen.
"Mit Nürnberg ist immer zu rechnen", so Leipzigs Manager Kay-Sven Hähner, der anfügt: "Ich denke die Liga ist enger zusammengerückt. Leverkusen hat sicher die am meisten eingespielte Mannschaft. Um die Play-offs werden sicher der THC, Oldenburg, der FHC, Trier und Buxtehude kämpfen. Ich denke aber auch mit den Rhein-Main Bienen und Blomberg wird zu rechnen sein, sie haben sich sehr gut verstärkt." Zu den eigenen Aussichten führt der Manager des Pokalsiegers an: "Um die Play-offs und ums Pokal Final Four wollen wir spielen und wenn wir die Möglichkeit dazu bekommen, möchten wir einen Titel gewinnen." Dazu erhält Leipzig in dieser Saison eine weitere Möglichkeit, im Dezember wird der Pokalsieger gegen Meister Nürnberg erstmals den neu geschaffenen Supercup ausspielen. In den vergangenen Spielzeiten komplettierte Bayer Leverkusen das Spitzentrio und dies will das Team von Renate Wolf auch in dieser Spielzeit - allerdings in diesem Jahr mit reduzierter Unterstützung des Bayer-Konzerns und mit der Dopatka-Halle in einer neuen Heimspielstätte.
"Wir haben in unserer Entwicklung einen Schritt nach vorne gemacht und können zufrieden sein", blickt Ildiko Barna auf das Trainingslager mit ihrem neuen Verein DJK/MJC Trier zurück. Im Auftaktspiel gegen die Rhein-Main Bienen, im letzten Jahr noch unter dem Namen HSG Sulzbach-Leidersbach geführt, geht es für Trier dabei am Samstag bereits um viel, denn die Reihe der Teams, die den Angriff auf das bisherige Spitzentrio planen ist lang. Neben den Rhein-Main Bienen rüstete vor allem ProVital Blomberg-Lippe auf, der letztjährige Teilnehmer am Final Four der Frauen in Riesa untermauerte seine Ambitionen mit dem Gewinn des glänzend besetzten Turniers um das Oldenburger Wunderhorn. Der letztjährige vierte Play-off Teilnehmer FHC Frankfurt/Oder sowie der Thüringer HC und die langjährigen Erstligisten VfL Oldenburg und Buxtehuder SV schielen ebenso in Richtung Platz vier. Auch beim Buxtehuder SV gab es dabei einen Trainerwechsel, Dirk Leun hat das Ruder übernommen und kommt mit der Empfehlung eines Weltmeistertitels, den er im Sommer mit den Juniorinnen des DHB bei der WM in Mazedonien errang.
"Die beiden Aufsteiger sind diesmal sicher keine Schlachtopfer wie Beyeröhde in der letzten Saison", führt unterdessen Dieter Trippen aus, der in der vergangenen Spielzeit mit dem TV Beyeröhde abstieg und nun bei Aufsteiger Borussia Dortmund auf der Trainerbank sitzen wird. "An dem Tag, als ich mit Beyeröhde aufgestiegen war, wusste ich bereits, dass wir wieder absteigen müssen. In Dortmund sind die Rahmenbedingungen schon andere", so Trippen, der sich angriffslustig zeigt: "Wir wollen auch in der übernächsten Saison weiter in der 1. Liga spielen. Der BVB war jahrelang im Ligaoberhaus und ich hoffe, dass wir dort ähnlich lange verweilen werden." Auch Frisch Auf Göppingen will keineswegs wieder den direkten Weg in die Zweitklassigkeit antreten, zuletzt sorgte ein fünfter Platz und eine überzeugende Leistung beim Turnier in Bad Urach für Optimismus, unter anderem ließ der Aufsteiger bei diesem Vorbereitungsturnier das Team von Bayer Leverkusen hinter sich. Doch ein wirklichen Fingerzeig auf die Leistungsstärke wird vermutlich erst das Auftaktspiel gegen den 1. FC Nürnberg geben, mit einem Sieg gegen den amtierenden Meister könnten die FA-Frauen die Handball-Euphorie in der Stadt mit den zwei Bundesligisten noch weiter steigern.