1. FCN Nürnberg : Nürnberger Kampfgeist rettete einen Punkt gegen Trier

_POSTEDBY jhollaender (jhollaender) on Saturday, 27. September 2008
1. FCN Nürnberg

Ohne die erkrankte Kerstin Wohlbold erkämpften sich die Bundesliga-Handballerinnen des 1. FC Nürnberg nach einem 7:14-Rückstand noch ein hochverdientes 27:27 (10:14)-Unentschieden gegen die DJK MJC Trier.

Den ersten Schock musste das Team von Csaba Szücs zunächst aber schon vor dem Anpfiff verdauen: Spielmacherin Kerstin Wohlbold, die bereits die Woche über wegen Fieber nicht trainieren konnte, war auch zum Spiel nicht rechtzeitig fit und konnte ihrem Team nur von draußen die Daumen drücken.

In die Bresche sprang der Nachwuchs. Linda Jäger übernahm Wohlbolds Part in der Defensive, im Angriff kam Beate Scheffknecht. Und das Konzept ging auf.
Die Nürnberger Abwehr stand zunächst stabil und besonders Linda Jäger, der mit Svetlana Mozgovaja nicht unbedingt die leichteste Gegenspielerin gegenüberstand, machte ihre Sache außerordentlich gut.

Immer wieder erkämpften sich die Nürnbergerinnen den Ball, doch wie bereits in den Vorwochen wollte der in der Anfangsviertelstunde einfach nicht ins Tor. Oder ging bereits auf dem Weg dorthin verloren. Zudem fanden die Club-Frauen lange Zeit kein rechtes Mittel gegen die Trierer 3:2:1. Statt - wie von Trainer Szücs gefordert - geduldig auf die Wurfchance zu warten, suchte der FCN überhastet den Weg zum Tor und leistete sich auch erneut zu viele unnötige Ballverluste.

Und während Trier so nach und nach ins Spiel fand, bröckelte auch das anfängliche Nürnberger Abwehrbollwerk vor der nun glücklosen Jana Krause. Drei Treffer von Simona Roubinkova in Folge brachten die DJK von 5:6 auf 5:9 in Führung. Erster Gesprächsbedarf für Trainer Szücs. Zunächst jedoch hatte die Abwehrumstellung auf ein 5:1-System noch nicht den gewünschten Erfolg.
Im Gegenteil. Unaufhaltsam zog Trier weiter davon. Beim 6:13 schien das Spiel bereits zugunsten der Gäste entschieden.

Doch wer die Nürnbergerinnen schon aufgegeben hatte, sollte sich geirrt haben. Immer besser griff nun wieder die Nürnberger Defensive und immer besser lief auch der Ball beim FCN. Die Aufholjagd der Fränkinnen konnte auch von einer Trierer Auszeit nicht gestoppt werden. Erst vom Pausenpfiff.
Da hatte der FCN den Abstand jedoch bereits von 7:14 auf 10:14 verkürzt.

Zwar gehörte der erste Treffer der zweiten Hälfte wieder Trier, doch war der FCN-Express nun nicht mehr zu bremsen. Angetrieben von einer nimmermüden Franziska Beck kam man zunächst auf 13:15 heran und hatte kurz danach beim 15:16 den Anschluss wieder geschafft.

Und weiter ging es. Eine Zeitstrafe gegen Trier nutzte zunächst Katrin Engel zum Ausgleich. Nach einem gehaltenen Siebenmeter von Maja Gubova war es ausgerechnet mit Linda Jäger das erst 17-jährige Talent aus dem eigenen Nachwuchs, das die erste Nürnberger Führung erzielte. Kaum einen der 500 Zuschauer, die trotz des DFB-Pokalspiels der Club-Fußballer bei Bayern München den Weg in die Halle gefunden hatten, hielt es nun noch auf den Sitzen ob dieses unglaublichen Spielverlaufs.

Die Begegnung schien nun sogar endgültig zu kippen. Beim 18:16 führte Nürnberg bereits mit zwei Treffern. Trier hatte sechs Minuten lang kein Tor erzielt. Doch entschieden war das Spiel noch lange nicht.

Denn nun verließen die Nürnberger Sieben, die bereits seit Mitte der ersten Hälfte - hier hatte Jäger auch den Part im Angriff übernommen - durchspielte, nach und nach die Kräfte. Es häuften sich erneut die Fehler.
Und Trier kam erneut heran. Beim 19:19 fiel der Ausgleichstreffer. Diesmal für die DJK. Doch die Nürnbergerinnen wehrten sich nach Kräften und konnten ihre Führung bis zum 21:20 noch behaupten.

Aber erneut profitierten die Gäste, von den überhasteten Nürnberger Abschlüssen. Beim 21:22 hatte Trier die Führung zurückerobert. Beim 24:26 (57.) schien es der DJK nun endgültig gelungen zu sein, den Sieg unter der wohlwollenden Augen der Schiedsrichter über die Zeit zu retten. Als die Triererin Silvia Hofmann in Unterzahl das 25:27 (59.) erzielte, glaubte wohl keiner mehr an einen Punkt für den FCN.

Außer den Nürnbergerinnen selbst! Denn jetzt überschlugen sich die Ereignisse: Auszeit Nürnberg. Kaum wieder auf dem Feld übernahm Kapitän Ania Rösler einmal mehr die Verantwortung und traf zum 25:26. Und dann wurde das Unglaubliche wahr. Die bereits weit über die Schmerzgrenze hinaus kämpfenden Nürnbergerinnen eroberten tatsächlich nach einem endlos erscheinenden Trierer Angriff erneut den Ball. Doch Krause spielte ihn direkt in die Hände von Pal, die nun völlig frei auf das Nürnberger Tor zu lief. Aber Jana Krause machte ihren Fehler sofort wieder gut, parierte den freien Wurf und leitete einen letzten Konter ein. Sekunden vor dem Ende traf Franziska Beck zum vielumjubelten Ausgleich und rettete dem FCN damit einen bereits verloren geglaubten Punkt.

1. FC Nürnberg Handball:
Krause, Gubova (zu zwei Siebenmetern);
Schorradt, Scheffknecht, Rohde (5), Walzik (3), Jäger (1), Gebhard, Rösler (10), Beck (4), Engel (4/2).

Siebenmeter: 3/2:6/5
Zeitstrafen: zwei zu acht Minuten
Rote Karte: Rösler (FCN/60.).