Internationaler Flair erwartet die Handball-Fans am kommenden Wochenende in Nürnberg. Denn am Samstag treffen die Bundesliga-Handballerinnen des 1. FC Nürnberg auf den TSV Bayer Leverkusen mit unter anderem vier Olympiateilnehmerinnen (11. Oktober 2008, 19:00 Uhr, Halle am Berliner Platz).
Clara Woltering, Anna Loerper, Anne Müller und Laura Steinbach vertraten die deutschen Farben in Peking. Wobei besonders die Personalie Laura Steinbach für landesweite Diskussionen gesorgt hatte, musste für sie doch die Nürnbergerin Ania Rösler zuhause bleiben. Insofern wird natürlich besonders der direkte Vergleich der beiden Nationalspielerinnen im Fokus der Partie in Nürnberg aber natürlich auch beim DHB-Lehrgang in der kommenden Woche stehen. An dem nehmen nämlich zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft wieder beide teil.
Während für den FCN die Nichtnominierung seiner Nationalspielerinnen für Olympia ein ruhiges Arbeiten erlaubte und somit durchaus sein Gutes hatte, sorgten die eigenen Erfolge in der Ausbildung doch für eine empfindliche Störung der Vorbereitung in Leverkusen. Immerhin fehlten mit Loerper, Woltering, Steinbach und Müller gleich vier zentrale Spielerinnen bis kurz vor Rundenbeginn. Keine optimalen Voraussetzungen.
Da geriet es schon fast in den Hintergrund, dass einmal mehr eine richtungsweisende Saison vor den TSV-Verantwortlichen stand. Jahrelang hatte die Trainer-Managerin Renate Wolf aus der finanziellen Not eine sportliche Tugend gemacht. Seit Jahren bewege man sich finanziell im unteren Drittel der Liga, so Wolf. Das hinderte sie aber nicht daran, junge deutsche Talente zu fördern und nach und nach über Future Team und Bundesliga nicht nur an die nationale Spitze zu führen, sondern auch in die Nationalmannschaft. Auch die Ankündigung von Hauptsponsor Bayer ab dieser Saison nur noch Fußball und Breitensport zu fördern, schockte die Werkselfen daher nur kurz. „Es geht hier vor jeder Saison ums Überleben. Ich bin das schon gewohnt“, gab sich Renate Wolf kämpferisch.
Sportlich indessen dauerte es etwas, bis Leverkusen die fehlende Vorbereitung kompensiert hatte. Zwar gewann der TSV zum Auftakt gegen Aufsteiger Dortmund, doch im Anschluss folgten drei empfindliche Niederlagen gegen Frankfurt, Oldenburg und den zweiten Aufsteiger Göppingen. Erst dann gelang mit dem 34:24 gegen Buxtehude ein echter Befreiungsschlag. Der Knoten scheint geplatzt. Auch in Leipzig setzten sich die Rheinländerinnen gestern mit 28:26 durch.
Die Club-Verantwortlichen sind also gewarnt. Trainer Csaba Szücs jedenfalls tritt dem Gegner mit höchstem Respekt entgegen: "Uns erwartet ein schwerer Gegner, der zuletzt gegen Buxtehude ein Riesenspiel gemacht und dabei 34 Tore geworfen hat. Das müssen wir unbedingt verhindern. Speziell die Absprache zwischen Abwehr und Torwart muss noch besser funktionieren." so der FCN-Coach. Gibt aber gleich gewohnt optimistisch eine klare Aufgabe für sein Team vor: "Wir wollen zuhause unschlagbar bleiben".
Darüber was dafür nötig ist, haben ihm die letzten Begegnungen einiges an Aufschluss gegeben: "Wie sich in Erfurt gezeigt hat, können wir es uns nicht erlauben, Fehler zu machen wie in der Schlussphase dort. Gegen keinen Gegner. Wir müssen bis zum Ende 100 % geben. Über 60 Minuten. Auch in der Abwehr. Derzeit bekommen wir noch zu viele Gegentore."
Sechs Spieltage sind mittlerweile vorüber. Und wie erwartet präsentiert sich die Liga ausgeglichen wie nie. Doch genau das macht diese Liga in diesem Jahr so gefährlich. Und so interessant. Csaba Szücs im Rückblick: "Ich denke, wir haben bisher spannende Spiele mit einer tollen kämpferischen Leistung gesehen. Diese Leistung wollen wir auch gegen Leverkusen wiederholen. Wobei für meinen Geschmack ein bisschen weniger Spannung nicht schlecht wäre".