By: jhollaender (jhollaender) 2009.05.23

Dabei war vor dem Spiel bereits der personelle Super-GAU eingetreten. Wie schon zuletzt musste Club-Coach Csaba Szücs nämlich auch diesmal neben den Langzeitverletzten Christina Stockhorst und Beate Scheffknecht auf Christina Rohde und Katrin Engel verzichten. Dafür rückten die junge Linda Jäger und Rekonvaleszentin Franziska Garcia Almendaris ins Startaufgebot.

Alle gemeinsam machten ihre Sache außerordentlich gut. Und auch Jana Krause hatte noch einmal einen echten Sahnetag erwischt. Nach ausgeglichenem Beginn legte der FCN recht schnell 6:4 vor, konnte den Vorsprung aber nicht sehr lange halten. Beim 7:7 hatte Blomberg den Ausgleich wieder hergestellt und ging beim 7:8 sogar in Führung. Doch durch Treffer von Walzik, Beck und Wohlbold hatten die Club-Mädels die alte Differenz wieder hergestellt. Erst eine Zeitstrafe gegen Rösler stoppte den Club-Express und erlaubte es erstmals den Gästen aus dem Lipperland deutlicher vorzulegen. 11:13 stand es in der 23. Minute.

Zwar gab FCN-Trainer Szücs nun nach und seinen ersten Sechs Gelegenheit zum Kräfte sammeln, doch knüpfte auch die "Bank", die im Saisonverlauf nur wenig Spielzeit erhalten hatte, nahtlos an die vorher gezeigten Leistungen an. Wie bereits die 18-jährige Linda Jäger machten auch die beiden weiteren Nachwuchskräfte Lisa Gebhard und Tanja Schorradt ihre Sache gut. Beide trafen je zweimal und leisteten sich dabei keinen Fehlwurf. Zudem packte auch Sara Walzik zum Abschied noch einmal tief in die Trickkiste und düpierte die ProVital-Torfrauen ein ums andere Mal mit ihrer großen Wurfvariabilität.

Fünf Treffer in Folge schafften die Nürnbergerinnen so, hatten beim 13:13 ausgeglichen und gingen kurz nach der Pause beim 16:13 sogar erstmals mit drei Treffern in Führung. Bis zum 18:17 durch Gebhard blieben die Club-Mädels auch weiterhin vor, doch ein Doppelschlag der Blombergerin Ilyes ließ die Führung ein weiteres Mal wechseln.

Immer wieder traf nun der wurfstarke Blomberger Rückraum und es sah nun endgültig so aus als würden den Nürnbergerinnen nach und nach die Felle davon schwimmen. 24:21 führten die Gäste in der 45. Minute. Nun hatte Szücs noch einmal eine besondere Überraschung für sein Gegenüber parat: In Ermangelung von Rückraumspielern kam die dritte Torfrau Sabine Stockhorst, die in Jugend und 2. Mannschaft auch ausreichend Spielpraxis im Feld sammeln durfte, im linken Rückraum zum Einsatz und führte sich mit ihrem Treffer zum 23:25 gleich gut ein. Mit einem Doppelschlag von Blombergs bester Werferin Michaela Seiffert hatte ProVital aber schnell den ursprünglichen Vorsprung sogar noch ausgebaut.

Zum Abschied boten die Club-Mädels ihren Fans aber natürlich auch noch einmal das, womit sie sich in den letzten Jahren immer wieder einen Namen gemacht hatten: einen schier unglaublichen Kampfwillen. Erst war es Franzi Beck, die mit zwei Treffern die Westfälinnen wieder in Schlagweite holte, kurz darauf dann Walzik mit einem Drehertor, Jäger und noch einmal Beck, die für den Club ausglichen.

Ein letztes Mal warf nun Seiffert ihr Team noch einmal in Führung, danach schien der FCN dem Spiel die entscheidende Wende geben zu können. Jäger glich aus, Rösler warf ihre Farben per Strafwurf wieder nach vorne. Beim 33:31 waren es nach einer Blomberger Zeitstrafe sogar bereits wieder zwei Treffer, die bis zum 34:32 Bestand hatten. Doch obwohl Blomberg nach einer Zeistrafe gegen Sabrine Neukamp in den verbleibenden zwei Minuten mit fünf Feldspielerinnen auskommen musste, gelang erst Ilyes der Anschlusstreffer. 15 Sekunden vor dem Ende zückte Gästecoach Andre Fuhr dann noch einmal seine grüne Karte.

Zwar hatte er mit dieser Maßnahme Erfolg - sein Team erkämpfte sich in der Schlusssekunde einen Strafwurf, den Valyushek sicher verwandelte - doch reichte ProVital das Unentschieden nicht. Da der Club gegen Trier gewonnen, Blomberg aber verloren hatte, stehen die Nürnbergerinnen nun mit 3:1 Punkten an der Spitze der Playoff-Gruppe B. Ob der FCN nun aber auch die beiden Spiele um Platz 5 gegen Göppingen, das sich in der Gruppe A durchgesetzt hatte, wahrnehmen wird, muss der Insolvenzverwalter entscheiden. Sollte der Club nicht weiterspielen, wäre Trier der lachende Dritte.

Lachende Gesichter waren in Nürnberg hingegen nach dem Schlusspfiff Mangelware. FCN-Präsident Achim Klamroth bedankte sich in einer emotionalen Rede noch einmal bei der Mannschaft, die im Anschluss von ihren Fans noch lange gefeiert wurde und noch länger in der Halle saß. Heimgehen wollte an diesem Abend keiner ...

1. FC Nürnberg Handball: Krause (1.-30.), Gubova (31.-50.), S. Stockhorst (ab 51.); Schorradt (2), Walzik (4), Jäger (3/1), Gebhard (2), Wohlbold (6), Rösler (6/3), Garcia Almendaris (2), Beck (8).

Schiedsrichter: Christian Moles und Lutz Pittner (Heddesheim/Laudenbach)
Siebenmeter: 5/4 zu 7/6 (Rösler verwirft, Krause hält gegen Ilyes)
Zeitstrafen: zehn zu zwölf Minuten (zweimal gegen Rösler, je einmal gegen Schorradt, Wohlbold und Garcia Almendaris).