Das scheint trotz der Finanzkrise für die Frauenbundesliga positiv zu stimmen. Positiv ist sicherlich auch die Entwicklung der Zuschauerzahlen, bereits vor dem Beginn der zuschauerträchtigen Play-offs ist die Marke von 1.000 Zuschauern pro Spiel deutlich überschritten. Wie beurteilen Sie die Stimmungslage zwischen Zuschaueranstieg und Finanzkrise?
Berndt Dugall:
Die Entwicklung der Zuschauerzahlen ist schon ein Grund zur Freude. Vor fünf Jahren wären wir noch froh gewesen, im Durchschnitt die Marke von 500 oder 600 Zuschauern pro Spiel zu überschreiten, jetzt nähern wir uns schon bald dem Wert 1.500. Ein großer Vorteil ist dabei sicherlich gerade in der Bundesliga die Ausgeglichenheit, die für Spannung sorgt und bis zum Schluss keine Langeweile aufkommen lässt. Wir spielen gerade nicht ein Drittel der Saison nur noch in der Weise, dass wir irgendwie den Spielplan erfüllen müssen, weil Meisterschaft und Abstieg längst entschieden sind. Wie sich die Finanzkrise auf das Sponsorenverhalten auswirkt, ist schwer zu beurteilen. Es kann in manchen Fällen durchaus zu Rückzug oder Kürzungen kommen, aber ich glaube nicht, dass jetzt ein Flächenbrand ausgelöst wird. Sollte die Wirtschaftskrise sich jedoch länger hinziehen, könnten die Probleme für die übernächste Saison erheblich werden. Die Liga hatte dabei in dieser Saison zahlreiche Überraschungen parat, sie sprachen die Ausgeglichenheit bereits an. Zwei Tage vor Toreschluß streiten sich noch fünf Teams um die drei Play-off Plätze hinter Spitzenreiter Bayer Leverkusen. Es scheinen spannende Play-offs der besten vier Teams bevorzustehen und nicht nur die Meisterfrage, sondern auch die Frage nach den Final- und Halbfinalteilnehmern offen wie noch nie?
Berndt Dugall:
So ist es. Bis auf Leverkusen ist noch nichts geklärt. Es sind ja auch gerade die Paarungen an den beiden letzten Spieltagen, die noch für viel Spannung sorgen werden. Ich nenne als Beispiele nur Buxtehude gegen FHC, FHC gegen Nürnberg oder Nürnberg gegen Leipzig. Hinsichtlich der Play-off Plätze noch eine Nachfrage. Der 1. FC Nürnberg hat aufgrund von Fristversäumnissen im Lizenzierungsverfahren vier Punkte abgezogen bekommen, wie würde der Verein bei einer gleichen Anzahl an Pluspunkten behandelt?
Berndt Dugall:
In die Spielordnung des DHB wurde zu Beginn der laufenden Saison neu eingeführt, dass für jedes Spiel Plus und Minuspunkte vergeben werden. Ansonsten sagt die Spielordnung, dass bei Punktgleichheit diejenige Mannschaft, welche mit Abzügen bestraft wurde, schlechter zu platzieren ist. Nun kann aber Nürnberg mit niemandem mehr punktgleich werden. Entweder sind sie mit anderen nach Pluspunkten gleich, dann haben sie weniger Minuspunkte auf ihrem Konto, oder sie sind nach Minuspunkten gleich, dann haben sie weniger Pluspunkte. Damit ist zu dieser Frage eigentlich alles gesagt. Eine ähnliche Frage stellt sich auch im Tabellenkeller, der Thüringer HC könnte mit zwei Siegen noch an Punkten mit Göppingen und Blomberg gleichziehen, aufgrund eines in der Saison am "Grünen Tisch" mit 0:2 Punkten und 0:0 Toren gewerteten Spiels, gibt es aber auch hier eine Besonderheit, oder?
Berndt Dugall:
Da dem THC Punkte aus einem gewonnenen Spiel aufgrund des Einsatzes einer nicht spielberechtigten Spielerin aberkannt wurden, ist dieser Fall mit Nürnberg nicht zu vergleichen. Hier ist in der Tat eine Punktgleichheit (nach Plus- und Minuspunkten) möglich. Dann ist der THC hinter Mannschaften zu platzieren, denen keine Punkte ohne Torwertung aberkannt wurden. Auch in den 2. Bundesligen stehen die Entscheidungen direkt bevor, auch hier herrscht Spannung. Die besten vier Teams der Nord- und Südstaffel spielen ebenfalls in Play-offs die Aufsteiger aus. Könnten Sie das Prozedere kurz erklären?
Berndt Dugall:
Die Play off Runde sieht vor: Es spielen der Vierte im Norden gegen den Ersten Süden sowie der Dritte aus dem Norden und dem Zweiten aus dem Süden und die jeweilige komplementären Mannschaften zunächst in Hin- und Rückspiel. Die vier Sieger spielen dann in wiederum jeweils zwei Spielen die beiden Mannschaften aus, die letztendlich aufsteigen werden. Wie wird dabei verfahren, wenn einer der ersten vier Vereine das Aufstiegsrecht nicht wahrnehmen will?
Berndt Dugall:
Wer nicht aufsteigen will, kann auch nicht die Play-off Runde spielen, weil dies geradezu widersinnig wäre. In diesem Fall kann die an fünfter Stelle einer Gruppe platzierte Mannschaft nachrücken. Den Blick einmal kurz von der nationalen Seite weggelenkt, international feiern die Bundesligisten derzeit Erfolge. Bayer Leverkusen steht gegen das dänische Spitzenteam Kopenhagen zwar im Halbfinale des Pokalsiegerwettbewerbs vor dem Aus, doch Leipzig im EHF-Pokal scheint gegen eine starke russische Mannschaft das Finale im Blick zu haben. Und im Challenge Cup könnte es sogar ein rein deutsches Finale zwischen dem Thüringer HC und ProVital Blomberg-Lippe geben. Wie sehen Sie den internationalen Stellenwert der deutschen Liga?
Berndt Dugall:
Ich glaube, dass uns niemand zugetraut hätte, mit vier Mannschaften in jeweils einem Halbfinale der europäischen Pokalwettbewerbe zu stehen. Auch wenn wir aktuell kein Spitzenteam für die Champions League haben, so sind wir doch auch bei den Vereinsmannschaften international gut aufgestellt. Unser Problem ist einfach wirtschaftlich zu sehen. Wir haben im deutschen Frauenhandball keinen Verein, der sich eine internationale Truppe zusammenkaufen kann, die dann in der "Königsklasse" mitspielt. Auf der anderen Seite ist dies für den Handball gerade im Sinne der Nationalmannschaften kein Nachteil, denn dadurch werden wir gezwungen, unseren eigenen Nachwuchs einzusetzen. Wir sollten nicht vergessen, dass die Juniorinnen, die letztes Jahr Weltmeister wurden, in unseren Vereinen ausgebildet und Spielpraxis erworben haben. Und für diejenigen Nachwuchsmannschaften, die sich gerade vor Kurzem für die diesjährigen internationalen Meisterschaften qualifiziert haben, gilt dies in gleicher Weise. |
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